BEGEISTERUNG

Im Deutschen beschreibt Begeisterung wörtlich das Erfüllen mit oder das Beleben durch den Geist. Es ist ein moderner Begriff in dem Sinne, dass ihm der aktive Umgang mit der Welt innewohnt. Mit dem Strom der Erleuchtung und seinen philosophischen und weltbildbezogenen Innovationen wurde die Außenwelt nicht mehr wirklich als Blickfang für einen göttlichen Geist angesehen, sondern es wurde zur Aufgabe jeden einzelnen Subjekts, sich der Außenwelt zu stellen und sie mit Geist und Bedeutung zu erfüllen. Das zum Subjekt gewordene Ich bedarf folglich eines zusätzlichen Mittels, um zu der Überhöhung in eine notwendige Überschwänglichkeit zu kommen. Begeisterung ist dann wie der zusätzliche Stachel, der ein selbstgenügsames Ich an seine Pflichten erinnert und diese Erinnerung nicht ausspricht, wohl aber mit seinem Schwung zur gewünschten Positionierung des Subjekts führt. Das Sein in der Welt wird damit also zu einem aktiven Dialog zwischen Resonanz und Präsenz, Reflexion und Erscheinung, Kognition und Manifestation. In Bezug auf Descartes ist es die Wechselbeziehung zwischen der Außenwelt und der individuellen Reflexion darüber, die den Menschen im Wort bildet und bestimmt, das Entsprechen von res extensa und res cognitans.

 

Begeisterung im Sinne von Erhöhung deutet wiederum auf den hedonistischen und dionysischen Aspekt des Begriffs hin: mit Geist erfüllt zu sein, schwingt in Begeisterung und Ekstase, die durch halluzinogene Substanzen hervorgerufen wird, ebenso wie die überwältigende, inspirierende Begeisterung für eine Person, eine Situation, ein Erlebnis oder ein Objekt. Begeisterung ist der Beitrag von Geist und Bedeutung zur äußeren Welt sowie ihre Resonanz in unserer eigenen Erregung, Ehrfurcht und Hingabe an die Welt. Es ist ein Prozess, der mit Verantwortlichkeiten, Aufgaben und sogar Druck einhergeht. Darüber hinaus ist sie eine treibende Kraft und Initiatorin in unserer heutigen Lebensweise ebenso wie eine Messlatte, ein Zwang oder eine Herausforderung, denen es scheinbar gerecht zu werden gilt.

EXCITEMENT

In German, excitement literally describes fulfillment with or animation by the spirit. It is a modern term in the sense that the active interaction with the world is inherent in it. With the flow of enlightenment and its philosophical and world-view-related innovations, the outside world was no longer really seen as an eye-catcher for a divine spirit, but it became the task of each individual subject to face the outside world and fill it with spirit and meaning. The ego which has become a subject consequently requires an additional means to come to the exaltation into a necessary exuberance. Enthusiasm is then like the additional sting that reminds a self-sufficient ego of its duties and does not utter this remembrance, but with its momentum leads to the desired positioning of the subject. Being in the world thus becomes an active dialogue between resonance and presence, reflection and appearance, cognition and manifestation. In reference to Descartes, it is the interrelation between the outside world and individual reflection on it that forms and determines the human being in the word, the correspondence of res extensa and res cognitans.

Enthusiasm in the sense of exaltation, in turn, indicates the hedonistic and Dionysian aspect of the term: being filled with spirit resonates with enthusiasm and the ecstasy caused by hallucinogenic drugs, as does the overwhelming, inspiring enthusiasm for a person, a situation, an experience or an object. Enthusiasm is the contribution of spirit and meaning to the outer world and its resonance in our own excitement, reverence and devotion to the world. It is a process that involves responsibilities, tasks and even pressure. Moreover, it is a driving force and initiator in our way of life today, as well as a benchmark, a compulsion or a challenge that seems to need to be faced.


Florian Christl | © impulsraeume
Florian Christl | © impulsraeume

 

 SALON 2

 

BEGEISTERUNG

EXCITEMENT

 

14.11.2019  | 19:30 Uhr

 

Galerie SMUDAJESCHECK

 

 

 mit | with

 

 

Florian Christl

 

Ulrich Knoop

Lesung:

Katharina Voigt & Hannah Knoop